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Auferstehung – geöffnete Augen

von Manuela Rimbach-Sator (55276 Oppenheim)

Predigtdatum : 24.04.2011
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Ostersonntag
Textstelle : Matthäus 28,1-10
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Wochenspruch: „Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1, 18)
Psalm: 118, 14 – 24 (EG 747)

Lesungen
Altes Testament: 1. Samuel 2, 1 – 2.6 – 8 a
Epistel:1. Korinther 15, 1 – 11
Evangelium: Markus 16, 1 – 8


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 100, 1 – 5 Wir wollen alle fröhlich sein
Wochenlied: EG 106, 1 – 5 Erschienen ist der herrlich Tag
Predigtlied: EG 103, 1 – 5 Gelobt sei Gott im höchsten Thron
Schlusslied: EG 99 Christ ist erstanden

Hinführung zur Predigt (Werkstattgedanken):

Den Tod erklären können wir ebensowenig wie die Auferstehung. Angesichts von Trauer und Verzweiflung würden wir es gerne können, um Trost und Zuversicht weiterzugeben. Und wir meinen, die Auferstehung wäre leichter zu begreifen, wenn wir sie schildern könnten.

Die Predigt hält sich eng an den Bibel-Text und schaut auch darauf, was der Evangelist gerade nicht sagt. Im Vergleich mit dem nicht-kanonischen Petrusevangelium wird umso deutlicher, dass Matthäus vor allem von der Reaktion der Zeugen spricht, weniger von dem Er-eignis selbst. Die Auferstehungsbotschaft ist die Botschaft von den Menschen, die das „Fürchtet euch nicht“ des Auferstandenen weitersagen. Und damit Trost und Zuversicht weitergeben.


Matth 28, 1 – 10:

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.
4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.
5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.
6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;
7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.
8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.
9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.
10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen.

Liebe Gemeinde,

„die Wachen erschraken aus Furcht vor dem Engel und wurden als wären sie tot.“ Haben wir eben gehört.

Die Wachen werden ihrem Namen nun so gar nicht gerecht: Gerade in dem Moment als es etwas mit wachen Sinnen aufzunehmen gäbe, fallen sie um wie Holzkegel und verpassen das Beste. „Als wären sie tot.“ Darum geht es: Ums tot Sein und ums lebendig Sein – um Leben und Tod.

Aber nicht nur um Tod oder Leben der überwältigten und überforderten Wachmänner, sondern um den, den sie hätten bewachen sollen.
Während die Wachmänner vor Schreck und Furcht in Ohnmacht fallen, haben die beiden Frauen Maria Magdalena und die andere Maria offenbar alles mitgekriegt. Auch ihnen ist zum Fürchten zumute, aber sie bleiben wach und hören, was der Engel zu sagen hat. Sie empfangen den Auftrag, Verkündigerinnen zu sein und begegnen zuletzt dem Auferstandenen selbst.

„Und sie gingen eilend weg vom Grab mit Furcht und großer Freude.“

Im Spannungsfeld dieser beider Gefühle – Furcht und Freude – steht Ostern. Furcht und Freude; - nicht einmal ist von Trauer die Rede oder von Tränen.

Dieser Gang zum Grab am Sonntagmorgen, den Maria und Maria unternehmen, hat bei näherer Betrachtung so wenig Ähnlichkeit mit den Friedhofsgängen, wie wir sie kennen.

Der Evangelist Matthäus, der uns diese Szene schildert, hält sich keine Silbe lang damit auf, diese beiden Frauen näher zu beschreiben, ihre Erschütterung darzustellen. Da ist kein Satz in der Überlieferung, der uns wiedergäbe, in welcher Haltung die Frauen sind. Auch wenn die allermeisten von uns keine Mühe haben, sich das auszumalen. Jeder, der Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester, Freunde, Ehemann oder Ehefrau oder gar ein Kind hat beerdigen müssen und gewiss auch Matthäus wüsste zu beschreiben, in welcher Stimmung die Frauen gewesen sein könnten: Mutlos oder schockiert, wie leer oder voller Verzweiflung; auch vorwurfsvoll „Er hat doch aber gesagt…“ – oder dumpf, mechanisch ihre Bestattungspflichten erfüllend.

Indem wir uns erinnern wie wir selbst an den Gräbern unserer Lieben standen, wird umso deutlicher und auffallender, dass Matthäus hier kein Wort darüber verliert. Offenbar geht es ihm nicht um die Trauer der Frauen, um ihr inneres Erleben. Matthäus will uns etwas anderes mitteilen: Etwas Erschütterndes.

Er schreibt: „Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben.“
Das Erdbeben ist nicht die Begleitmusik der Auferstehung. Diese ist offenbar zu diesem Zeitpunkt schon gelaufen. Keine Silbe verliert Matthäus dazu. Es ist nicht sein Thema. Wie sich die Auferstehung abgespielt hat – Matthäus weiß es nicht zu beschreiben und hütet sich auch auffallend konsequent davor, irgendwelche Andeutungen zu machen.

Es hat nun sehr wohl den Versuch gegeben, die Neugierde der Zweifler und der Gegner der Auferstehungsbotschaft zu befriedigen. Das sogenannte Petrusevangelium, das später dann nicht zum Kanon der biblischen Bücher hinzugerechnet wurde, versuchte, diese vermeintliche Lücke zu schließen. Mit naiver Erzählungsweise schreibt der Autor dort:

„Drei Männer traten nebeneinander aus dem Grab, die zwei äußeren geleiteten den dritten in ihrer Mitte an den Armen. Hinter ihnen kam ein Kreuz heraus. Und auf einmal reichten die beiden äußeren Männer mit ihrem Haupt bis zum Himmel; doch der, den sie in ihrer Mitte führten, überragte den Himmel.“

Es ist eine gedankliche Sackgasse, liebe Gemeinde, die Auferstehungsbotschaft dadurch fassbar machen zu wollen, dass man sie beschreibt wie in einem Drehbuch. Es mag für einen Moment die Neugierde befriedigen. Den Glauben wecken oder trösten kann das nicht.
Deshalb kommt Matthäus auch ganz und gar ohne eine solche Schilderung aus.

Mag sein, dass ihm die Vorstellungskraft dafür nicht gefehlt hätte. Aber Matthäus weiß, dass er auf diese Schilderung verzichten kann, weil sie seinem Ziel, den Glauben zu wecken nicht dient.

Gerade im Vergleich mit dem naiven Versuch des Petrusevangeliums wird die Absicht des Matthäusevangeliums umso sichtbarer. Er sagt uns: Das erste, was die beiden Frauen am Ostermorgen zu Gesicht bekommen haben, war Gott selbst. Gottes Engel strahlend wie ein Blitz, sein Gewand weiß wie Schnee.

Da erste, was die beiden Frauen zu hören bekommen haben, war Gottes Wort: Fürchtet euch nicht. Er ist auferstanden.

Das erste, was sie an diesem Morgen zu fassen kriegen, war der auferstandene Gottessohn: Sie umfassten seine Füße. Und es hat sie um-gehauen. Die Knie wurden ihnen weich. Aber sie haben genau verstanden, was ihnen aufgetragen wurde. Und das erste, was die beiden Frauen daraufhin tun wollen, ja tun müssen: Sie werden zu Verkündigerinnen.

„Geht hin und sagt es den Jüngern“, spricht der Engel.
„Geht hin und sagt es meinen Brüdern“, spricht der Auferstandene.

Und weil sie diesem zweimal empfangenen Auftrag gefolgt sind, erreicht es auch uns, dringt es zu uns als Kunde voller Furcht und Freude: Er ist auferstanden. Gott hat eingegriffen.

Die Erde bebte. – So aufwühlend war diese Erfahrung; umwerfend für die unbedarften Wachmänner, aufwühlend für die beiden Marien.

Das will uns Matthäus heute sagen:
Wie Gott eingreift.
Wie sein „Fürchtet euch nicht“ die Frauen trifft – so wie damals die Hirten auf dem Feld in Bethlehem.
Und genau wie die beiden Frauen am Ostermorgen waren ja damals auch die Hirten von dieser Erfahrung in Bewegung gesetzt worden. Sie waren zur Krippe gelaufen, um vor dem Kind auf die Knie zu fallen. Auch sie hatten ein besonderes Licht geschaut und waren zu Verkündigern geworden.

Die Menschen, die Gottes Stimme vernehmen, die Gottes Wort hören, die Gottes Engel begegnen, die erfahren im Glauben: Er ist auferstanden!

Und dann begegnen sie dem Auferstandenen.
Und dann können sie nicht mehr schweigen.
Sie ahnen wohl: Man wird ihnen keinen Glauben schenken. Frauen zumal. Zum Glück sind sie zu zweit. Wenigstens Gehör wird man ihnen schenken. Aber eines werden sie weitergeben: Ihre Erschütterung, ihre Furcht und ihre Freude, ihren Glauben.

Das will uns Matthäus heute sagen, und das will uns heute erreichen: Die Kunde von der Freude der beiden Marien, die am offenen Grab Gott begegnen und sein Wort hören: Er ist auferstanden. Fürchtet euch nicht.

Und wären wir taub und weggetreten wie die Wachmänner, abgestorben für das Großartige des Glaubens, so dürften wir doch aufwachen und uns einreihen in die Schar derer, die es immerhin hinterher vernehmen. Denn die Geschichte geht ja weiter.
Sie kommt jetzt in Fahrt und setzt eine wundervolle Bewegung in Gang: Die Glaubensbewegung, die vom Hören kommt. Und diejenigen, die es hören und im Glauben erfassen, die begegnen dem Auferstandenen, und die hören sein „Fürchtet euch nicht“. Und jetzt sind wir diejenigen, die es hören, die einen kurzen Blick werfen auf jenes helle Licht des ersten Ostermorgens und die im glaubenden Empfangen der Botschaft selber zu Verkündigern werden dürfen:

Geht hin und sagt’s den Geschwistern; schreibt es euch ins eigene Herz und tragt es zu den Leuten: Er ist auferstanden.
Amen

Verfasserin: Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator, Merianstraße 6, 55276 Oppenheim

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