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Auferstehung – geöffnete Augen

von Ulrich Vorländer (Frankfurt)

Predigtdatum : 24.04.2011
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Ostersonntag
Textstelle : Matthäus 28,1-10
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Wochenspruch: „Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Offenbarung 1, 18)
Psalm: 118, 14 – 24 (EG 747)

Lesungen
Altes Testament: 1. Samuel 2, 1 – 2.6 – 8 a
Epistel: 1. Korinther 15, 1 – 11
Evangelium: Markus 16, 1 – 8


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein
Wochenlied: EG 106 Erschienen ist der herrlich Tag
Predigtlied: EG 103 Gelobt sei Gott im höchsten Thron
Schlusslied: EG 112 Auf, auf mein Herz, mit Freuden

Vorbemerkung:

Diese Osterpredigt will bewusst und anschaulich das Osterevangelium des Matthäus zu Wort kommen lassen. Der Prediger / die Predigerin ist gebeten, den Einstieg dieser Vorlage zu verändern, indem er / sie statt der dort genannten Personen geeignete Menschen aus seinem / ihrem Bekanntenkreis einfügt, z. B. mein Arbeitskollege, meine Nachbarin, mein ehemaliger Klassenkamerad…

Ich halte es für sachgemäß, bereits bei der Evangelienlesung das Osterevangelium des Matthäus zu lesen und auf den Markustext zu verzichten!

Der Friede Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Jesu Auferstehung
(1) Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
(2) Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
(3) Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.
(4) Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.
(5) Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.
(6) Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;
(7) und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.
(8) Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.
(9) Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.
(10) Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen.

Liebe Gemeinde,

mit Ostern ist es wie im richtigen Leben:
von einem Ereignis, das einen tief berührt,
und das man anderen unbedingt mitteilen muss,
kann man auf unterschiedliche Weise berichten.

Ich nehme an, Sie kennen das, auch aus der eigenen Familie oder aus ihrem Freundeskreis, wie ich es kenne aus meiner Familie - und als guten Vergleich dafür, dass die Ostererzählungen in unserer Bibel nicht nur eine große Gemeinsamkeit aufweisen, sondern auch ganz unterschiedlich klingen.

Nach ein und derselben Aufforderung: „Was beschäftigt dich denn so? Erzähl’!“-
- würde mein Bruder recht nüchtern berichten. So wie er das immer tut. Eher kurz und knapp, und zwischendurch ein paar wichtige Erläuterungen einfügen. Seine Erzählweise erinnert mich sehr an die des Evangelisten Lukas.
- Mein Opa hingegen hat früher immer etwas spitzfindig, doppelbödig erzählt, seine Augen haben beim Erzählen gefunkelt. Als Kind habe ich ihn oft nicht gleich verstanden. Aber sein Bericht war tiefgründig. Es war gut, seine Wortwahl nochmals im Nachhinein zu Bedenken. Das erinnert mich an die Art, wie der Evangelist Johannes erzählt.
- Meine Mutter erzählt gerade heraus. Sie fügt wenig Erklärungen und Deutungen hinzu. Sie erzählt gerne. Das erinnert mich an Markus.
- Mein Vater erzählt demgegenüber wenig, er fasst Ereignisse eher zusammen und redet über Erkenntnisse, was er für Schlüsse aus Ereignissen zieht, und wie man etwas zu verstehen hat. Das erinnert mich an Paulus, und wie er von Ostern in seinen Briefen schreibt, ohne zu erzählen: ohne Engel, ohne alle Ausschmückungen.
- Und meine Oma, die schmückte immer gerne aus, die dramatisierte auch gerne. Wenn sie zum Beispiel erschrocken war, dann wurde schon mal aus einer kleinen Maus oder Spinne eine große Gefahr. Weil es ihr so zu Herzen ging, erzählte sie mit weit offenen Augen – gewissermaßen wie Matthäus.

Was im Inneren stark berührt, wird auch äußerlich dramatisch geschildert.

Dieses Jahr haben wir die Ostererzählung nach Matthäus gehört - die besonders dramatische Fassung. Matthäus erzählt einiges vom Ostermorgen, auf das die anderen Evangelisten so nicht den Finger legen. Ihnen war es offenbar nicht so wichtig. Oder sie blieben einfach in ihrer persönlich geprägten Erzählmelodie.

Matthäus erzählt auch von den Frauen, die früh am Morgen zum Grabe kamen. Allerdings erwähnt er namentlich nicht ausdrücklich Salome. Ob er sie nicht mochte? Oder ihren Namen nicht kannte? Wie dem auch sei.

Dafür steht am Anfang seiner Erzählung ein großer Paukenschlag: der Ostermorgen beginnt mit einem Erdbeben: Wo Gott wirkt, da macht sich das auch äußerlich bemerkbar. Es bleibt nicht alles schön ruhig und gemütlich. Sondern Ostern erschüttert die Erde. An diesem Morgen bricht etwas auf. Da kommt etwas ins Wanken. Die Erde wird bewegt.

Für Matthäus hat Glauben an Gott nicht bloß etwas mit einer Wohl-fühlfrömmigkeit zu tun als einem guten Grundgefühl. So nach dem Motto: ‚Alles schön warm, weich und kuschelig.’ Sondern damit, dass auch etwas nach außen sichtbar und öffentlich bemerkbar wird.
Ja, Matthäus führt ja auch sonst stärker als die anderen Evangelisten Zeichen und Beweise an, um zu bekräftigen, was durch Jesus Entscheidendes geschehen ist und über die Zeiten hinweg weiterhin geschieht.
Das Erdbeben kündigte den Engel an. Der sich dadurch vor den Augen der Frauen machtvoll bemerkbar macht, der den Stein vor dem Grab weg wälzt, und sich demonstrativ auf den weggewälzten Stein setzt.-

Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.
Und von dieser mächtigen Gestalt des Engels waren nicht nur die Frauen beeindruckt. Nein, sogar die Soldaten, diese hartgesottenen Burschen, diese widerstandsfähigen Männer, keine Weichlinge. Diejenigen gar, die doch zu denen gehörten, die wenige Tage zuvor Jesus peinigten, ohne Mitleid antrieben, und schließlich ans Kreuz schlugen. Die für ‚Recht und Ordnung’ in Jerusalem sorgten. Die Waffen trugen und ‚hart im Nehmen’ waren. Und die die Befehle ausführten, die man ihnen erteilte. Ja, das war doch ihr Ehrenkodex, dass sie Befehle ‚bis zum Ende’ ausführten. Soldaten sind keine Schöngeister, keine Idealisten – wie man es wohl von den Jüngern denken konnte.

Und gerade diese Soldaten erschraken aus Furcht vor dem Engel und wurden, als wären sie tot. Diese richtigen, skrupellosen Männer fielen wie die Fliegen um, vor dem noch mächtigeren Engel, der von dem noch mächtigeren Gott gesandt wurde!

Aber die Frauen verkrafteten das – wie alle, die ihr Vertrauen auf Gott setzten – mehr verkraften als Soldaten. Deswegen können die Frauen sogar hören und verstehen, was der Engel ihnen ausrichtet: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

Und die starken Frauen wissen, was sie zu tun haben. Sie bleiben nicht länger am aufgerissenen Grab. Inspizieren nicht noch mal alles. Sondern wissen, dass sie hier nichts mehr verloren haben. Diese Grabstelle ist der Bereich des Todes. Sie hatte gestern noch ihre Bedeutung. Heute nicht mehr. Seit heute sind stärkere Mächte am Werk. Und sie, die Frauen, gehören jetzt mit auf die Seite der Sieger und nicht der Verlierer. Deshalb liefen sie eilends weg vom Grab mit Furcht und mit großer Freude, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

Und dann geschieht noch mehr: aufgrund ihres festen Vertrauens, ihres Glaubens an die Stärke Gottes, erfahren sie auch unmittelbar, dass ihre Zuversicht von Gott bestätigt wird:

Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen.

Liebe Ostergemeinde,

spannend und lebhaft erzählt Matthäus vom Auferstehungsmorgen. Und er berichtet - in seiner Weise - besonders für alle, die sich heute zu Ostern nicht mit ein bisschen festlicher Gefühlsduselei zufrieden geben, einer netten Stimmung, einem zarten, wohltuenden österlichen Gefühl, sondern die heute ebenso zuversichtlich ihr Gottvertrauen wieder neu wagen wollen – wie die Frauen – ihre Karten wieder setzten wollen auf den allmächtigen Gott, der stärker ist als der Tod und stärker als all die anderen Mächte, die das Leben so oft erdrücken wollen.

Der allmächtige Gott ist so stark, dass er uns in Jesus so nah gekommen ist, wie das noch nirgendwo sonst auf dieser Welt geschehen ist. Er ist uns nämlich bis in die Tiefen des Leides, bis in die Tiefen der menschlichen Schuld, der Schmerzen, der Trauer im Kreuz Jesu nahe gekommen. So dramatisch nah. Um uns daraus zu befreien. Um uns zu retten. Um uns zu erlösen.

Spannend und lebhaft erzählt Matthäus vom Auferstehungsmorgen. Und er berichtet so für uns alle, dass auch wir in unserem Lebensalltag - in ‚unserem Galiläa’ – dort wo wir zu Hause sind, auf unseren Wegen, in unseren Familien, in unserem Alltag - spüren, wie der Auferstandene uns seine Macht erweist.

Wir wissen dabei aus dem Neuen Testament, dass die Zeit, in der Jesus den Aposteln leibhaftig erschienen ist, auf die 40 Tage der Osterzeit begrenzt blieb. Doch wir glauben - ebenso wie sie - daran, dass der Auferstandene seitdem ‚Herr über Raum und Zeit’ ist.
Wir verehren nicht einen bedeutenden Toten, der viele schöne Ideen hatte, aber leider gescheitert ist – sondern wir glauben an einen mächtigen Lebendigen, der selbst von dicken Steinen nicht in der Grabesvergangenheit gehalten wird.

Ob dieser Stein nun von einem Engel oder von Gott selbst oder durch eine Erderschütterung weggewälzt wurde, spielt dabei keine Rolle. Aber dass dieser Stein als erster weggewälzt wurde, und vor allem, dass Gott heute weiter dicke Steine weg wälzt, die heute das Leben erdrücken, Steine, die uns heute immer noch die Macht des Todes, den wir erleben müssen, vor Augen führen, die auf unserer Seele lasten, weil uns Versagen oder Versäumnisse oder Ängste niederdrücken, darauf vertrauen wir! Und darauf kommt es an! Auch wenn sich bei uns allen immer wieder zweifelnde Stimmen Gehör verschaffen wollen.

Hört diese gewaltige Osterbotschaft! Der Gott und Vater Jesu Christi, der vom Tod erlöst, der von Schuld befreit und vergibt, der Leben eröffnet und heilt, lässt Zeichen und Wunder geschehen! So dass sie sie sehen: Die Frauen – die Jünger – die Glaubenden zu allen Zeiten! Solchen Glauben zu wagen, macht Euch ab heute wieder auf den Weg! Und seid gewiss, der Herr wird euch nicht enttäuschen! Noch manches, was euch schwer belastet, wird weichen, und ihr werdet wieder frei aufatmen! Und den frischen Duft des Auferstehungsmorgens schmecken! Fürchtet euch nicht! Vertraut!

Und tragt diese Botschaft in die Welt:
- An die Betten der Sterbenden: die Gewissheit, dass nicht Leid und Schmerzen das letzte Wort haben werden. Sondern dass Gott unsere Sterbenden erlöst. Sie gehen keiner dunklen Ungewissheit entgegen, sondern dem Licht und der Vollendung Gottes. Und sie werden einen neuen Himmel und eine neue Erde schauen. Und auch wenn ihr sonst nicht mehr viel für sie tun könnt, drückt ihre Hände fest, aber haltet sie nicht fest. Lasst sie gehen.

- Tragt diese Botschaft zu den Verzweifelten, den Trauergeistern, die so oft dem Vergangenen nachhängen. Die deswegen auch Gott in den Gräbern suchen, ihren Blick gesenkt haben. Aber in den Gräbern ist er nicht mehr. Er lebt. Er begegnet uns vorne, nicht hinten. Und er bestärkt und ermutigt uns zu neuen nächsten Schritten, auch wenn sie anfangs klein und unscheinbar erscheinen.

- Tragt diese Botschaft zu denen, die sie nicht hören wollen, die sich begnügen mit den vermeintlich schönen Dingen des Lebens, den Annehmlichkeiten und den Versprechungen der Werbung und des Konsums. Die heute lieber Geschichten von lila Hasen erzählen als vom auferstandenen Herrn hören.

Lasst sie an Eurer Zuversicht spüren, dass Ostern der Grund einer weit größeren, einer weit helleren, und einer weit freudigeren Wirk-lichkeit ist.
Lasst Euch nicht beirren. Lasst nicht eure Zweifel herrschen, sondern lasst ihn – lasst Gott – machen!

Jesus lebte auf die Auferstehung hin, damit wir von der Auferstehung her leben. Unser Weg als Christen beginnt, wie der Weg am Ostermorgen, am Grab Jesu, und er ist getragen von der guten Nachricht, dass der Tod ein für allemal seine Schrecken verloren hat.
Der Herr lebt – und ihr sollt auch leben. Nicht im Mangel – sondern aus der Fülle!
Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem lebendigen Herren! Amen.

Verfasser: Pfarrer Ulrich Vorländer, Sindlinger Bahnstraße 44, 65931 Frankfurt

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