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Der Freudenmeister

von Felizitas Muntanjohl (65549 Limburg)

Predigtdatum : 19.01.2003
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 2. Sonntag nach Epiphanias
Textstelle : Johannes 2,1-11
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Wochenspruch:

Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. (Joh 1,17)

Psalm: 105,1-8

Lesungen

Altes Testament:
2. Mose 33,17b-23
Epistel:
Römer 12, (4-8) 9-16
Evangelium:
Johannes 2,1-11

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 396, 1-3
Jesu, meine Freude
Wochenlied:
EG 5
oder EG 398
Gottes Sohn ist kommen
In dir ist Freude
Predigtlied:
EG 394, 1-5
Nun aufwärts froh den Blick
Schlusslied:
EG 66,8
Jesus ist kommen

1 Am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. 2 Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. 3 Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4 Jesus spricht zu ihr: Was geht's dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. 6 Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. 7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. 8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. 9 Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam - die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam 10 und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten.
11 Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Liebe Gemeinde!
In den Evangelien werden viele wundersame Taten Jesu berichtet. Die erste, die uns erzählt wird, ist diese von der Hochzeit in Kana.
Gegenüber den späteren Heilungsgeschichten erscheint dies wenig bedeutsam. Keiner ist krank, niemand hat eigentlich Probleme mit dem Glauben oder mit seinem Schicksal. Es ist eine ganz und gar normale, heitere menschliche Situation.
Jesus ist zu einer Hochzeit geladen. Es waren wohl Verwandte oder gute Bekannte der Familie, denn Jesu Mutter war auch eingeladen. Das Fest geht so seinen Gang, der Wein hat schon gut zur Stimmung beigetragen, manch einem ist es schon in den Kopf gestiegen.
Da kommt die Mutter auf Jesus zu und flüstert ihm ins Ohr: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Und das soll natürlich heißen: „Besorg’ du ihnen doch neuen Wein, du kannst das doch.“ Maria hatte wohl die Worte, die über ihren Sohn gesprochen worden waren nach seiner Geburt, lange bedacht und war, als sie ihn nun predigen hörte, überzeugt, dass er wirklich Kraft von Gott hatte. Und sie hat das auch ganz richtig erkannt.
Aber Jesus weist sie erst mal recht grob zurück: „Weib, was geht’s dich an, was ich tue?“ Man kann vermuten, dass Maria ihm schon öfter auf diese Weise in den Ohren gelegen hatte: „Junge, zeig, doch mal, was du kannst. Ich weiß doch, dass du’s kannst.“ Es war wohl eine Menge mütterlicher Stolz darin: mein Sohn ist etwas Besonderes. Das kann natürlich gut tun, wenn die Mutter stolz auf einen ist. Aber es kann auch so weit gehen, dass die Mutter in dem erfolgreichen Kind ihren eigenen Stolz auskosten will, dass sie im Grunde mehr ihre eigene Eitelkeit befriedigen will. Vielleicht sogar will sie ihr ungelebtes Leben vom Kind ersetzt finden: sein Erfolg ist ihr Erfolg, seine Anerkennung gibt ihr das Gefühl, etwas Besseres zu sein. Und seine Bedeutung ist ein Ausgleich dafür, dass sie immer im Hintergrund stehen und sich aufopfern musste.
Jesus hat wohl so etwas bei ihr empfunden. Er wollte nicht von ihr vorgeschrieben bekommen, wie er seine Kraft einsetzen soll. Er selbst wollte in sich spüren, wann es für ihn Zeit ist.
Und das spürt er nun trotz seiner herben Zurückweisung. Das ist der Tag, an dem er anfängt, seine göttliche Kraft den Menschen mitzuteilen. Das ist der Tag, an dem die Menschen zum ersten Mal vor Augen sehen, was Gott ihnen schenken will.
Dieses erste Geschenk Gottes erscheint uns freilich reichlich wenig fromm. Hier wird kein Glaube mit Gesundheit belohnt und keine Rettung Anlass zum Dank an Gott. Hier rauscht ein feucht-fröhliches Fest. Und damit die Stimmung nicht wegen trockener Kehlen verloren geht, verschafft Jesus ihnen Wein, guten Wein sogar, den die vollen Köpfe wohl gar nicht mehr recht bemerken werden.
Jesu erstes Wunder ist eine Menge Wein zum Feiern. Und da kommt auch kein geistliches Wort nach. Vielleicht trinkt Jesus noch mit, vielleicht geht er jetzt auch lieber davon, bevor das große Staunen losgeht. Jedenfalls ist das Fest gerettet und die Freude groß.
Warum tut Jesus so etwas als erstes Zeichen? Es offenbarte seine Kraft, ja. Aber wollte er einfach, wie ihm die Mutter zuraunte, zeigen, was er kann?
Wohl kaum. Jesu Zeichen waren immer Hinweise auf Gott. Jesus wollte in allem, was er sagte und tat, über sich hinausweisen auf den, von dem alle schöpferische Kraft kommt. Wozu der Wein, wozu das gerettete Fest am Anfang seiner Wirksamkeit?
Gott weiß, wie schwer wir uns damit tun, unsere Seelen retten zu lassen. Wir hängen viel zu sehr an den Dingen, die uns umgeben, an den kurzen Freuden. Und wen wir an unser Herz heranlassen, mit dem wollen wir erst zusammen gelacht haben – und dann, vielleicht, weinen wir auch mal mit ihm. Wem wir vertrauen, mit dem wollen wir erst ein Stück gelebt haben, bevor wir mehr von uns zeigen als unsere lachende Seite.
Und weil Gott uns so liebt, wie wir als Menschen eben sind, darum will auch er zuerst mit uns lachen und froh sein. Darum ist sein erstes Fest mit uns das Freudenfest unserer Geburt und Taufe. Und wer von Gott erzählen will, der soll ruhig erst vom frohen Lachen Gottes reden, dem Lachen der Sonne, dem Lachen der Mutter, dem Lachen des Feierns, dem Lachen der Hoffnung. Denn Gottes stärkste Seite ist seine große schöpferische Freude am Leben. Gottes Lachen will uns das Herz wärmen und uns zeigen, dass mit ihm unser Leben zum Fest wird – auch dann, wenn uns der Wein zum Stimmungmachen aus geht.
Gott will mit uns feiern, er will uns reichlich beschenken, auch mit den ganz einfachen, lustig machenden Freuden. Er freut sich mit uns, wenn wir uns freuen. Denn über die Freude kann auch die Freundlichkeit in unser Herz kommen.
Jesus fängt an, Zeichen Gottes zu geben, indem er ein Fest mit Wein rettet. Denn Gottes Rettung hat immer mit Freude zu tun.
Deswegen können wir ruhig die Ohren zu machen, wenn da Menschen zu uns kommen und wollen uns mit drohenden, schrecklichen Katastrophengeschichten in die Hände eines Gottes locken, der uns nur mit Angst gefügig zu machen versucht. Auch wenn diese Leute mit der Bibel ankommen, so haben sie doch nichts verstanden von diesem Jesus Christus, dessen Zeichen von Gott die Freude ist.
Nur was unser Herz frei und glücklich macht, das ist von Gott. Was uns die Freude am Leben abschnürt, das ist nicht vom lebenschaffenden Gott, sondern von einem angstbesetzten Götzen, den die Menschen sich selber zurecht machen, damit sie über andere herrschen können.
Wenn Gott zu uns kommt, dann befreit er uns, dann nimmt er uns von der Last des Lebens ab. Und selbst seine Mahnungen und Drohungen dienen nur dazu, uns von falschen, lebenzerstörenden Irrwegen zurück zu rufen in ein frohes, schöpferisches Leben.
Gott liebt das Leben, Gott liebt das Lachen. Darum war es Gottes Entschluss, in die Welt, in unser Leben zu kommen. Darum feiert er mit uns, darum schenkt er uns Gesundheit, darum hat er gute Worte für uns bereit.
Was unser Leben dunkel und trüb macht, das ist zum großen Teil die Last, die wir uns gegenseitig aufladen. Oder es ist unsere Verschlossenheit Gott gegenüber. Wir wollen uns nicht von ihm den Wein schenken lassen. Wir wollen ihn uns selbst verdienen. Viele gute Angebote Gottes lassen wir nicht an uns heran, weil wir meinen, wir könnten es selber besser und zuverlässiger als er. Es könnte ja sein, dass er uns nicht genug besorgt, nicht so viel, wie wir brauchen. Und deshalb machen wir besser alles selbst.
Er soll uns nur die Feste festlicher und den Kummer erträglicher machen. Und dann tut er oft nicht einmal das. Warum? Weil Gott mit uns leben will. Er will dabei sein, wenn wir aufstehen, wenn wir essen, wenn wir reden, wenn wir lachen, wenn wir streiten, wenn wir einkaufen, wenn wir Auto fahren, wenn wir fernsehen. Immer will er dabei sein, mal leiser, mal lauter. Aber immer will er mit uns leben und uns mitteilen von seinem Leben, seiner Kraft, seiner Freude und seinem Ziel.
Unser Leben beginnt mit einem Fest, dem Fest der Freude Gottes über uns. Wenn wir uns von da an Gottes vielfache Freudenmittel schenken lassen, dann wird unser Leben von Freude durchzogen bleiben bis es übergeht in das große Fest Gottes, das Fest der Versöhnung von Gott und Mensch. Amen.

Verfasserin: Pfrn. Felizitas Muntanjohl, Theodor-Bogner-Str. 20, 65549 Limburg/Lahn

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