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Der Vorläufer des Herrn

von Silke Schrom (60386 Frankfurt)

Predigtdatum : 17.12.2000
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 3. Advent
Textstelle : Jesaja 40,1-8.(9-11)
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Wochenspruch:

Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig. (Jesaja 40,3.10)

Psalm: 85,2-8

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 40,1-8 (9-11)
Epistel:
1. Korinther 4,1-5
Evangelium:
Matthäus 11,2-6 (7-10)

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 19 oder
EG 12
O komm, o komm, du Morgenstern
Gott sei Dank durch alle Welt
Wochenlied:
EG 10 oder
EG 15
Mit „Ernst, o Menschenkinder
„Tröstet, tröstet“, spricht der Herr
Predigtlied:
EG 536
Singet fröhlich im Advent
Schlusslied:
EG 1
Macht hoch die Tür

Hinführung:
Der Text faßt in einer sehr anschaulichen, bildreichen Sprache die Trostbotschaft des „2. Jesaja“ genannten Propheten für das verzweifelte Volk Israel im babylonischen Exil zusammen.
Der Text ist eng mit der historischen Situation des Gottesvolkes verknüpft und nicht ohne Weiteres übertragbar oder gar christologisch zu deuten. Auch das landläufige Schema von Verheißung (AT) und Erfüllung (NT) ist hier, wie auch sonst, keinesfalls angemessen. Vielmehr erfuhr das Volk Israel auch lange vor Christus Erfüllung der Verheißungen Gottes, im Fall unseres Textes u.a. durch den Perserkönig Kyros und das Ende des babylonischen Exils.
Adventlich ist dagegen die Haltung der Erwartung des bahnbrechenden und weltverändernden Kommen Gottes, die aus dem Text spricht. Dies ist auch der Anknüpfungspunkt für meine Predigt. Ausgehend von der Entfaltung der Bilder in den Versen 3+4 möchte ich die Gemeinde ermutigen, die (restliche) Adventszeit bewusst als Zeit der auch inneren Vorbereitung und Erwartung des Kommens Gottes zu nutzen.
Die bildreiche Sprache des Textes reizt mich, seine Botschaft auch anschaulich darzustellen durch symbolische Aktionen. Dazu stelle ich mir vor, im Altarraum eine „Berglandschaft“ aus großen Pappkartons (z. B. Kirchentagshocker oder Pappmachee-“Felsen“) aufzubauen, die im Laufe der Predigt beschriftet und schließlich zu einer ebenen Landschaft mit einem begehbaren Pfad auf den Altar zu umgestaltet wird, auf dem die Gemeinde eingeladen wird, nach vorne zu kommen und ein Symbol der Nähe Gottes (z. B. brennende Kerze) abzuholen oder das Abendmahl zu feiern.
Die Beschriftung (Zettel mit Benennung von „Bergen und Abgründen“, die uns das Zusammenleben schwer machen, und deren Überwindungsmöglichkeiten) können entweder schon von Gemeindegruppen vorbereitet sein (Konfirmandinnen, Kindergottesdienst...) oder direkt im Gottesdienst entstehen. Auf diese Weise würde die Gemeinde auch aktiv beteiligt.
So eignet sich die Predigt auch für einen Familiengottesdienst. Entsprechende „Regieanweisungen“ gebe ich jeweils an Ort und Stelle im Predigtentwurf.

Liebe Gemeinde!
Die Adventszeit ist die Zeit des Wartens und Vorbereitens auf Weihnachten, das weiß fast jedes Kind. Wahrscheinlich sind auch bei den meisten von Ihnen Weihnachts-Vorbereitungen im vollen Gange, angefangen bei der Wohnungs-Dekoration über Wunschzettel, Einkäufe... Die Gefühle sind oft sehr widersprüchlich: die Sehnsucht nach Zeit und Ruhe steht dem geschäftigen Treiben fast ohnmächtig gegenüber. Zusätzlich macht sich bei Vielen noch das Gefühl von Sinnlosigkeit und Leere breit, Unzufriedenheit und Ratlosigkeit, ob und wie das wohl zu ändern ist. Weihnachten, da war doch noch was - nur was war das bloß? Der vielbeklagte Traditionsabriss ist auch in der Advents- und Weihnachtszeit deutlich zu spüren. Sinnentleerung soll durch Konsum wettgemacht werden, der Erwartungsdruck ist enorm und der Frust fast unausweichlich. So manche möchten am liebsten vor Weihnachten fliehen.
Weihnachten, da war doch noch was - nur was? Eigentlich feiern wir Weihnachten ja das Kommen Gottes, seine Menschwerdung in dem Kind in der Krippe. Und darauf sollten wir uns in der Adventszeit innerlich und äußerlich einstimmen.
Wo Gott kommt, ist dies ein bahnbrechendes, die Gestalt der Erde veränderndes Ereignis, das neue Lebensmöglichkeiten schafft. Gottes Eingreifen und weltveränderndes Kommen haben Menschen schon immer erhofft, ersehnt und manchmal auch erlebt, auch lange vor Christus.
Unser heutiger Predigtext erzählt von diesem Kommen Gottes. Durch Prophetenmund lässt Gott seinem verzweifelten Volk im babylonischen Exil folgendes Trostwort verkünden:
1 Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. 2 Redet mit Jerusalem freundlich und prediget ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden. 3 Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; 5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.
6 Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. 7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.
[9 Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; 10 siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her. 11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.]
In sehr bildhaften Worten verkündet der Prophet, wie durch Gottes Kommen Lebensraum und -möglichkeiten geschaffen werden, wo vorher nichts mehr ging; durch die lebensfeindliche Wüste bahnt sich Gott einen Weg, und Berge und Täler werden eingeebnet.
Einige von Ihnen kennen sicher die Schönheit der Berge, und Bergwanderungen sind etwas Reizvolles, führen sie doch oft durch schöne Landschaften, eröffnen atemberaubende Aussichten, sind eine Herausforderung, mal an seine Grenzen zu gehen. Doch sind sie auch mühsam, manchmal gefährlich, wenn das Wetter umschlägt, das Gelände unwegsam wird oder der Pfad am Abgrund entlang führt, wie viel bequemer und gefahrloser ist da das Fortkommen auf ebenem Gelände.
Und was für das Wandern durch die realen Berge gilt, gilt auch für die Berge und Abgründe und Täler des Lebens im übertragenen Sinn.
Wie viele Berge aus Stolz, Konkurrenz und Eifersucht machen uns nicht oft das Leben schwer? Wie leicht werden manche Aufgaben und Anforderungen für uns zu (scheinbar) entmutigend hohen Bergen? Enttäuschungen und Schuld klaffen zwischen uns wie ein tiefer Abgrund und es ist ganz schön schwer, wieder Wege zueinander zu finden.
evtl. AKTION 1: An dieser Stelle kann die Gemeinde eingeladen werden, solche „Berge, Täler und Abgründe“ auf (bereits am Eingang ausgeteilten) Zetteln zu benennen. Die Zettel werden dann gleich eingesammelt und an die „Kartonberge“ geklebt. Alternativ können auch von Gemeindegruppen vorbereitete größere Papiere mit exemplarisch benannten Konkretionen vorgelesen und angeklebt werden.
Ja, liebe Gemeinde, wir schaffen es gar nicht immer allein, diese Berge und Abgründe zu überwinden oder aus eigener Kraft aus so manchem Tal wieder herauskommen. Und wir müssen es auch gar nicht, Gott sei Dank nicht! Den ersten, entscheidenden Schritt dazu hat Gott nämlich längst getan.
Das ist Gottes Werk, Wirkung seines im wahrsten Sinne des Wortes weltverändernden Kommens. Gott ist unterwegs durch unsere Wüsten, Berge, Täler und Abgründe, indem er alle Schuld vergibt. Das ist die Basis, die unsere Berge einebnet und Täler auffüllt.
Mit anderen Worten: weil Gott alle Schuld vergibt, schenkt er uns neuen Lebensraum, in dem wir unsererseits Pfade und Wege zueinander suchen dürfen.
Gott kommt zur Vergebung, nicht zum weiteren Aufrechnen und Auftürmen der Schuld - so beginnt er seinen Weg zu uns und lädt uns ein, seiner Spur zu folgen.
evtl. AKTION 2: Mit dem Zuspruch „Gott kommt zum Heil“ können jetzt die Kartonberge eingeebnet werden. Auf (andersfarbigen) Zetteln können jetzt Spuren der Vergebung und des Neuanfangs benannt werden (z.B. jem. zulächeln, zuhören, offene Aussprache...). Wie bei Aktion 1 kann das wieder direkt im Gottesdienst entstehen oder schon vorbereitet sein und verlesen werden. Die Zettel sollen so in die Kartonlandschaft geklebt werden, dass sie einen begehbaren Pfad in Richtung Altar weisen.
Oft ist ja die Überwindung am schwierigsten, diesem von Gott vorgespurten Weg auch zu trauen und die ersten Schritte darauf zu wagen. Doch wer sich dann auf den Weg macht, wird erleben, wie mancher Abgrund doch nicht so unüberbrückbar ist wie befürchtet und dass manche Berge doch nicht so unüberwindlich hoch sind.
So wünsche ich uns allen noch eine gesegnete Adventszeit, in der wir uns auch innerlich auf das weltverändernde Kommen Gottes vorbereiten und von Gott her Bahnbrechendes auch für uns erwarten und aufmerksam werden für seine Spuren in unserem Leben. Amen.
evtl. AKTION 3: Die Gemeinde kann jetzt eingeladen werden, auf dem vorgebahnten Pfad durch die Kartonlandschaft zum Altar zu kommen und ein Symbol für die tröstende, verändernde Nähe Gottes in Empfang zu nehmen, z.B. eine brennende Kerze.
Oder sie kann diesen Weg beschreiten, um am Altar das Abendmahl miteinander zu feiern und sich so dem kommenden Gott nähern und sich ihrer Gemeinschaft vergewissern.

Verfasserin: Pfrn. Silke Schrom, Raiffeisenstr.77, 60386 Frankfurt/M.

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