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Hagar und Ismael

von Bernd Rapp (London)

Predigtdatum : 14.04.2024
Lesereihe : VI
Predigttag im Kirchenjahr : Miserikordias Domini
Textstelle : 1. Mose 16,1-16
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Wochenspruch: "Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben." (Johannes 10,11a.27.28a)

Psalm: 23 (EG 711)

Predigtreihen

Reihe I: Johannes 10,11-16(27-30)
Reihe II: 1. Petrus 2,21b-25
Reihe III: Hesekiel 34,1-2(3-9)10-16.31
Reihe IV: Johannes 21,15-19
Reihe V: 1. Petrus 5,1-4
Reihe VI: 1. Mose 16,1-16

Liedvorschläge

Eingangslied: EG+ 35,1-3.6 Kommt herbei, singt dem Herrn
Wochenlied: EG 358 Es kennt der Herr die Seinen
Predigtlied: EG 329 Bis hierher hat mich Gott gebracht
Schlusslied: EG 116 Er ist erstanden

Hinweis zu weiteren Liedern

Gerne auch nutzen: aktuelle Lieder zur Jahreslosung 2023
z. B. unter: https://www.youtube.com/watch?v=gsyRszzdvDs
mit sehr schönem Video!
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https://www.youtube.com/watch?v=ZZsfvSp5KUQ

Predigttext: 1. Mose 16,1-16

1 Sarai, Abrams Frau, gebar ihm kein Kind. Sie hatte aber eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. 2 Und Sarai sprach zu Abram: Siehe, der HERR hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann. Geh doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme. Und Abram gehorchte der Stimme Sarais. 3 Da nahm Sarai, Abrams Frau, ihre ägyptische Magd Hagar und gab sie Abram, ihrem Mann, zur Frau, nachdem Abram zehn Jahre im Lande Kanaan gewohnt hatte. 4 Und er ging zu Hagar, die ward schwanger. Als sie nun sah, dass sie schwanger war, achtete sie ihre Herrin gering. 5 Da sprach Sarai zu Abram: Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich! Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben; nun sie aber sieht, dass sie schwanger geworden ist, bin ich gering geachtet in ihren Augen. Der HERR sei Richter zwischen mir und dir. 6 Abram aber sprach zu Sarai: Siehe, deine Magd ist unter deiner Gewalt; tu mit ihr, wie dir’s gefällt. Da demütigte Sarai sie, sodass sie vor ihr floh. 7 Aber der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste, nämlich bei der Quelle am Wege nach Schur. 8 Der sprach zu ihr: Hagar, Sarais Magd, wo kommst du her und wo willst du hin? Sie sprach: Ich bin von Sarai, meiner Herrin, geflohen. 9 Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Kehre wieder um zu deiner Herrin und demütige dich unter ihre Hand. 10 Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können. 11 Weiter sprach der Engel des HERRN zu ihr: Siehe, du bist schwanger geworden und wirst einen Sohn gebären, dessen Namen sollst du Ismael nennen; denn der HERR hat dein Elend erhört. 12 Er wird ein Mann wie ein Wildesel sein; seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn, und er wird sich all seinen Brüdern vor die Nase setzen. 13 Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht. Denn sie sprach: Gewiss hab ich hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat. 14 Darum nannte man den Brunnen: Brunnen des Lebendigen, der mich sieht. Er liegt zwischen Kadesch und Bered. 15 Und Hagar gebar Abram einen Sohn, und Abram nannte den Sohn, den ihm Hagar gebar, Ismael. 16 Und Abram war sechsundachtzig Jahre alt, als ihm Hagar den Ismael gebar.

Predigt

Herr, gib uns Ohren, die hören und Augen, die sehn und ein weites Herz, dich zu verstehen. AMEN

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich darf mich kurz vorstellen!
Mein Name ist Hagar!
Das ist eigentlich gar kein richtiger Name.
Es heißt einfach nur: Die Fremde!
Aber so fühle ich mich auch: fremd!
Ich gehöre nicht recht dazu!
Ich bin Magd, besser gesagt: Sklavin!
Mit dabei bin ich, helfe mit, dass der Laden läuft, bin ein Rädchen im Getriebe und bekomme gesagt, was zu tun und zu lassen ist!
Aber frei bin ich nicht!
Meine Herrin ist Sarai, manchmal heißt sie auch Sarah. Und sie wiederum ist die Ehefrau von Abram, der manchmal auch Abraham heißt.
Die beiden warten!
Schon seit vielen Jahren.
Sie warten und werden immer ungeduldiger, unsicherer, ungehaltener!
Sie warten auf Nachwuchs!
Gott selbst hat ihnen ein Kind versprochen.
Einen Stammhalter! Eine Zukunft!
Aber das ist schon lange her!
Es fällt den beiden immer schwerer darauf zu warten, daran zu glauben, darauf zu hoffen, darauf zu vertrauen, dass Gott sein Wort hält.

Den beiden schwindet die Zuversicht, dass Gott seine Zusage wahrmacht.

Und so nahmen sie die Sache sozusagen selbst in die Hand.

Und da kam ich ins Spiel – die Fremde! Die Sklavin!
Ich hatte fast schon darauf gewartet. Hatte es geahnt. Denn nach altorientalischem Recht kann ich zur Leihmutter werden.
Gezwungen werden kann ich, das Kind meiner Herrin auszutragen. Wenn ich es auf ihrem Schoß und in ihren Armen entbinde, dann ist es auch nach alter Sitte ihr Kind!

Aber ich will frei sein! Ich will selbst entscheiden!
Ich will nicht einfach die Erfüllungsgehilfin anderer sein!

(Pause…)

Lasst uns gemeinsam singen: Ihr und ich! Und zwar das Lied unter der Nummer 329, die erste Strophe: Bis hierher hat mich Gott gebracht.

(EG 329, 1 gemeinsam singen)

Was für ein schönes Lied!
So voller Zuversicht und Hoffnung, voller Vertrauen und Gottesgewissheit! „Bis hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte… bewahrt hat er Herz und Gemüte … geleitet, erfreut, geholfen.

Mir fällt es schwer das Lied zu singen!
Denn ich bin geflohen!
Wollte nur noch raus, nur noch weg!
Raus in die Wüste, die Einsamkeit, die Gefahr!
Ich hielt es nicht mehr aus in der Enge und im Gefühlschaos!
Schwanger bin ich und doch soll es nicht mein Kind sein?
Anerkennung und Respekt wollte ich und bin doch nur ein Ding, eine Sache, die andere benutzen, wie sie wollen…!?

Ja, ich weiß! Es war nicht recht, einfach abzuhauen! Aber es war auch nicht recht von Abram und Sarai, Gottes Verheißung zu misstrauen.
Sie wollten den einfachen Ausweg, die Sache selbst in die Hand nehmen und ich soll die Erfüllungsgehilfin sein.
Ich habe Schuld auf mich geladen, ich weiß!
Sie aber auch!

Und doch … habt ihr die Stimme vorhin gehört?
Hagar – wo kommst du her und wo willst du hin?
Eine Engelsstimme!
Endlich jemand, der nach MIR fragt!
Der meinen Namen nennt und kennt.
Der nach meiner Vergangenheit und nach meiner Zukunft fragt!
Ein Engel – ja ein Gott, der mich sieht, ansieht, in meiner Not, in meiner Zerrissenheit, in meinen Fragen und Zweifeln – der mich sieht so wie ich bin!

Lasst uns noch einmal miteinander singen:

(entweder: die 2. Strophe von EG 329, 2)
(alternativ: „Wir hören“… (und dann die Musik einspielen lassen, gern auch mit dem Video)

Du bist ein Gott der mich sieht!“ Das habe ich gelernt und erfahren am eigenen Leib. Das tat mir gut!
Dass ich raus bin aus dem Schatten, dass ich weiß, dass Gott ein Auge auf mich geworfen hat.
Ich bin nicht vergessen oder unsichtbar, sondern angesehen bei Gott.

Und jetzt geht es weiter von hier aus!
Erstmal lasse ich etwas hier.
Einen Eindruck und einen Ausdruck: Ich benenne den Brunnen meiner Rast und meiner Flucht und meiner Angst als den „Brunnen des Lebendigen, der mich sieht!
Ich will, dass alle Menschen davon erfahren, wie gut unser Gott ist! Dass sie auch zu dieser Quelle kommen und erfrischt und gesehen werden. Angesehen. Wertgeschätzt.
Und dann geht es für mich zurück in die alten Strukturen.
Ich habe es mir gut überlegt, ob ich dem Ratschlag des Engels folgen soll.

Wieder zurück zu Abram und Sarai, zurück in meine Rolle, zurück in meinen Alltag.

Aber ich will es probieren!
Zurückgehen in die alten Strukturen, aber verändert. Und angesehen!
Und mit der Zusage, dass das, was in mir wächst, eine Zukunft hat.
Du bist ein Gott, der mich sieht!
Mich und dich, gestern, heute und morgen.
AMEN

(Wir singen: EG 329, 3 als „Lied nach der Predigt“)

Verfasser: Pfarrer Bernd Rapp, Rhodt


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