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Jesu Kreuzigung und Tod

von Martina Horak-Werz (67377 Gommersheim)

Predigtdatum : 29.03.2024
Lesereihe : VI
Predigttag im Kirchenjahr : Karfreitag
Textstelle : Matthäus 27,33-54
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Wochenspruch: "Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben!" (Johannes 3,16)

Psalm: 22

Predigtreihen

Reihe I: Johannes 19,16-30
Reihe II: 2. Korinther 5,(14b-28)19-21
Reihe III: Jesaja 52,13-15.53,1-12
Reihe IV: Lukas 23,32-49
Reihe V: Kolosser 1,13-20
Reihe VI: Matthäus 27,33-54

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 430 Gib Frieden, Herr
Wochenlied: EG 83 Ein Lämmlein geht und trägt… oder EG 92 Christe, du Schöpfer aller Welt
Predigtlied: EG 97 Holz auf Jesu Schulter
Schlusslied: EG 98 Korn, das in die Erde

Alternative Liedvorschläge

Aus: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder, Strube Verlag,
Nr.  170,1-3 Kreuz, auf das ich schaue
Nr. 173 Lass uns den Weg den Weg der Gerechtigkeit gehen

Predigttext: Matthäus 27,33-54

33 Und als sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das heißt: Schädelstätte, 34 gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und da er’s schmeckte, wollte er nicht trinken. 35 Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum. 36 Und sie saßen da und bewachten ihn. 37 Und oben über sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes: Dies ist Jesus, der Juden König. 38 Da wurden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken. 39 Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe 40 und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz! 41 Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: 42 Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Er ist der König von Israel, er steige nun herab vom Kreuz. Dann wollen wir an ihn glauben. 43 Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. 44 Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren. 45 Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani?[2] Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 47 Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie: Der ruft nach Elia. 48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. 49 Die andern aber sprachen: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihm helfe! 50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied. 51 Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, 52 und die Gräber taten sich auf und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf 53 und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. 54 Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten das Erdbeben sahen und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!

Predigt

Liebe Gemeinde,

Karfreitag – jedes Jahr aufs Neue bedenken wir, ob mit Andacht oder Schaudern, mit Erschrecken oder Sprachlosigkeit, das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz auf Golgatha. Und immer mehr Menschen fragen heutzutage: Wozu ist Jesus eigentlich am Kreuz gestorben? Und was macht sein Leiden eigentlich so außergewöhnlich, dass wir bis heute darüber sprechen? Wer ist dieser Jesus und was bedeutet er für mich ganz persönlich?

Wie er sind doch damals unzählige Menschen grausam ermordet worden. Der Kreuzestod war eine häufig angewandte Hinrichtungsart, mit der die römische Besatzungsmacht für Schrecken in der Bevölkerung sorgte. Zu manchen Zeiten waren die Durchgangsstraßen sozusagen gesäumt von Kreuzen. Mitgefühl zu zeigen war schon gefährlich, sich um die Opfer zu kümmern gänzlich unmöglich, wenn man nicht selbst zum Opfer werden wollte. Für die Menschen zur Zeit des Matthäus war das traurige Realität.

Auch unsere Welt ist immer noch voll von Leiden. Wir erfahren täglich davon. In unserer von Medien dominierten Welt mehr denn je. Und mehr als wir oft wissen wollen. Wir sehen sie andauernd, die Bilder von Menschen, die gequält und misshandelt werden, von Menschen, die hungern oder unter Krieg und Terror leiden. Wir sehen Bilder von zerstörter Natur und von leidenden Menschen und Tieren und sind immer wieder schockiert, wie hilflos wir Menschen solchen Ereignissen ausgeliefert sind. Und wir erleben es im eigenen Umfeld, wie Menschen von Krankheit und Tod gezeichnet sind.

Wie können wir weiter an Gott glauben, auf Gott hoffen und weiterhin Gott und die Menschen lieben, wenn wir gleichzeitig immer wieder diese Macht des Todes akzeptieren und auch ertragen müssen?

Leiden und Tod machen uns Angst. Das Lebensgefühl vieler Menschen in unserer Zeit ist von Angst bestimmt. Angst vor der Zukunft, Angst vor Sinnlosigkeit und Leere im Leben. Angst vor Gewalt und Unglück. Angst davor, selbst leiden zu müssen.

[Parkplatz, um eigene Ängste zu nennen.]

Liebe Gemeinde, es gibt sehr unterschiedliche Arten mit unserer Angst umzugehen und auf das Leiden, das wir sehen, zu reagieren. Oft genug schauen wir weg, weil wir es nicht ertragen können. Wir versuchen zu verdrängen, was uns beängstigt. Wir wollen nicht ständig damit konfrontiert werden, welches Elend und welche Not es in unserer Welt gibt. Es gibt aber auch so etwas wie ein sensationslüsternes Zuschauen aus einem bequemen Abstand heraus. Auch Matthäus erzählt davon. Denn zufällig können diese Zuschauerinnen und Zuschauer nicht vorbeigekommen sein, von denen hier die Rede ist. Schließlich war Golgatha damals wohl außerhalb der Stadtgrenzen. Es ist überhaupt erschütternd wie viel Häme hier über den Leidenden am Kreuz ausgeschüttet wird. Anstatt ihm etwas zu trinken zu geben, was ihm ein wenig guttut, gibt ihm jemand etwas Bitteres, Ungenießbares. All die bösen Worte und der Spott machen alles noch viel schlimmer. Schadenfreude ist leider eine typisch menschliche Eigenschaft. Wenn jemand ein Unglück zustößt, dann finden sich auch immer Menschen, die sich daran ergötzen. Im tiefsten Inneren sind sie vermutlich froh darüber, dass es sie selber nicht getroffen hat. Für die Betroffenen verschlimmert es jedoch die Situation im Allgemeinen. Denn es schmerzt einfach, wenn zu allem Unglück auch noch gehässiges Gerede und schadenfrohes Verhalten der anderen dazu kommt. Oft genug können wir erleben, dass Menschen auch völlig grundlos Opfer von Mobbing und Hass werden. Heutzutage bietet das Internet da eine dankbare Plattform. Wie viel Leid da schon verursacht wurde, sogar Existenzen bedroht oder zerstört wurden, lässt sich nur erahnen.

Eine österreichische Ärztin, die vor einiger Zeit so massiv unter sogenannten Hassbotschaften leiden musste, dass sie letztendlich keinen anderen Ausweg mehr sah, als sich das Leben zu nehmen, ist ein tragisches Beispiel, das bekannt geworden ist. Aber auch viele andere, oft prominente Personen, sehr häufig in Politik und Medien engagierte Frauen, bekommen die Wucht von Häme und Hass zu spüren.

Ich frage mich, was Menschen dazu bewegt, andere zu beschimpfen und auszugrenzen?  Warum tun das auch hier in unserer Geschichte nicht nur einfache Vorüberkommende, sondern auch kluge und gebildete Menschen? Es wäre ein unentschuldbarer Fehler, von diesen unrühmlichen Beispielen auf die ganze Gruppe der jüdischen Gelehrten zu schließen. Leider wurde das im Laufe der Geschichte ja immer wieder getan und uns ein richtig düsteres Bild der pharisäischen Gelehrten vermittelt. Es wurde ja sogar behauptet, die ganze jüdische Gemeinschaft sei  schuld am Tod Jesu. Bis heute liegt erschreckenderweise manche antisemitische Haltung darin begründet. Die Macht, ein Todesurteil auszusprechen und dann auch zu vollstrecken, lag jedoch ganz allein bei der römischen Besatzungsmacht, die davon reichlich Gebrauch gemacht hat.

Wie schon erwähnt, war diese Kreuzigung ganz und gar kein Einzelfall. Jesus war nur eines von unzähligen Opfern von Unrecht und  Gewalt.

Was macht die Kreuzigung dieses Jesus von Nazareth dann zu so etwas ganz Besonderem? Was macht eigentlich diesen speziellen Tod so einzigartig für uns?

Das Besondere an dieser Kreuzigung ist, dass dieser Jesus symbolisch steht für alles Leiden und für alle Menschen. Ja für das Leiden aller Lebewesen.

Matthäus spielt hier ganz bewusst an auf jüdische Traditionen, die er zwar nicht ausdrücklich zitiert, aber die seinen Leserinnen und Lesern mit Sicherheit bekannt sind. Da klingen Psalmen an und vor allem auch die Tradition des Gottesknechtes aus der hebräischen Bibel, der als Symbol für das ganze Volk steht und stellvertretend für das ganze Volk das Leiden auf sich nimmt.

Für den Evangelisten Matthäus geschieht in dieser Leidensgeschichte etwas, was die Welt verändert, etwas Weltbewegendes. Er betont das, indem er von wundersamen, unerklärlichen Zeichen erzählt, die das Sterben Jesu begleiten. So dass sogar Menschen, von denen wir es nicht erwartet hätten, erkennen, dass dieser Jesus etwas Besonderes ist.

„54 Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten das Erdbeben sahen und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“

Die Leidensgeschichte Jesu ist und bleibt eine aktuelle Geschichte, in der wir vieles wiederfinden, von dem was uns bis heute das Leben schwer macht. Matthäus will uns Mut machen und uns sagen, dass in Jesu Leidensgeschichte deutlich wird, dass Gott in allem Leiden dabei ist und uns nicht alleine lässt.

Das Leiden Jesu war schließlich nicht das Ende. An Ostern fing etwas ganz Neues an. Die Sache Jesu geht weiter bis heute. Leiden und Tod haben nicht mehr das letzte Wort. Ihre Macht ist gebrochen. Denn Gott ist stärker als Leiden und Tod. Alle Grausamkeit der Menschheit, alle Todesmächte können nicht vernichten, was die Geschichte dieses Menschen, der da jämmerlich am Kreuz stirbt, uns allen klar machen will. Die Liebe ist nicht umzubringen.

Ich bin davon überzeugt, dass nicht Gott uns leiden lassen will. Aber die Liebe hat ihren Preis. Liebe, wie Jesus sie vorgelebt hat. Wer versucht Gottes Liebe in unserer Welt lebendig zu machen, wird dadurch angreifbarer und verletzbarer. So wie Jesus es auch war.

Gott will uns das Leben in ganzer Fülle eröffnen. Aber das bedeutet dann auch, dass wir empfindsam sind für das Leid in der Welt.

Je weiter wir unser Herz öffnen für andere, je lauter wir eintreten gegen das Unrecht, das um uns herum herrscht, desto schwieriger wird auch unser eigenes Leben. Desto mehr leiden wir selbst auch unter der Ungerechtigkeit  und Lieblosigkeit in der Welt.

Wir können letztendlich die Frage nicht beantworten, warum es Leiden geben muss. Wir werden wohl leider auch immer wieder die Erfahrung machen, dass Gott nicht einschreitet, obwohl Menschen so sehr darauf gehofft und dafür gebetet haben.

Wichtig ist aber doch, dass wir darauf vertrauen können, dass der Tod Jesu nicht umsonst war. Sondern, dass sein Leiden und Tod uns Kraft gibt, unser persönliches Leiden auszuhalten. Ich vertraue darauf, dass keine Macht der Welt und auch kein Leiden es schaffen kann, letztendlich die Macht der Liebe zu brechen.

Darauf zu vertrauen und es auch weiterzugeben, das ist der Beitrag den wir als Christinnen und Christen leisten können. Mit unserer kleinen und begrenzten Kraft, aber immer wieder und Schritt für Schritt. Die Liebe wird letztendlich siegen. Davon bin ich überzeugt. Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Martina Horak-Werz, Bildungsbeauftragte im Kirchenbezirk, Neustadt


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